Antikapitalistische Demonstration: Widerständig und Solidarisch im Alltag – Organize!
Initiative Gedenkort Fontanepromande 15 – Redebeitrag

Zwangsarbeit bei OSRAM

Zwangsarbeit im deutschen Faschismus betraf nicht nur politische Gefangene, sondern ab 1933/34 vorrangig Bettler, Wanderer, Prostituierte, Sinti und Roma. Aufgrund schlechter werdender Bedingungen gelangten als Juden verfolgte Berliner*innen, die 1936 keine Anstellung fanden in Zwangsarbeit, ebenso die im Zuge der künstlichen Judenverarmung erwerbslosen Deutschen, die als „asozial“ galten. Hitler sprach nach der rassenhygienischen Doktrin von „äußeren und inneren Feinden der Volksgemeinschaft“, die es „auszumerzen“ gelte. Zwangsarbeit war Instrument der terroristischen Bekämpfung angeblich „Fremdrassiger“ und sozialrassistischer Angriffe auf „minderwertige Arier“. Sie war zur Demütigung abgelegt, erwies sich auf Dauer bei überschwerer Arbeit ohne Arbeitsschutz auch als Vernichtungsmethode. Etliche deutsche bzw. „arisierte“ Unternehmen und Berlin haben bis 1945 diese Arbeitskräfte vernutzt.

Die Osram GmbH & Co. KG hatte von 1936 und 1945 mehrere Standorte mit Zwangsarbeit: Warschauer Platz, Helmholtzstraße, Oudenarder Str. 16. Das erste Mal hörte ich von Zwangsarbeit bei Osram von meiner Oma. Sie leistete im Wedding von Ende 1936 – Ende 1940 Zwangsarbeit am Band, arbeitete 6 Tage die Woche je 12 Stunden. Nur mit Arztattest oder Schwangerschaft durfte sie sitzen. Sonst stand sie mit gekrümmten Rücken am Band. Meine Oma war in den 1920ern selbständige Näherin für Festtagskleidung jüdischer Auftraggeber. Wegen wachsenden Rassismus gegen als Juden verfolgte Berliner*innen verlor sie bereits 1936 die meisten Auftraggeber. Die verließen Deutschland oder verarmten vor 1938. Da sie schon einen Verfolgungsanlass hatte, kein Kindergeld für meine Mutter bezog, war sie auf die Dienstpflichtarbeit
für Einkommen angewiesen. Das sie KPD-Mitglied in action war, sah ihr glücklicherweise niemand an.

In der Osram GmbH und Co. KG Friedrichshain am Warschauer Platz arbeiteten bis 1943 90 jüdische ZwangsarbeiterInnen 1 In der Helmholtzstraße malochten z.B. Helene Behrendt, gelernte Stenotypistin aus Moabit 2 , Ursula und Hildegard Schuftan 3 aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Osram Wedding hatte mehrere Abteilungen: In der 2. Etage arbeiteten sog. asoziale Frauen, erwerbslos, unverheirate. Ganz oben schufteten jüdische ZwangsarbeiterInnen, dar. bis 1938 20 Männer und 30 Frauen 4 und bis 1943 200 Juden 5 .

Zwangsarbeit leisteten hier zB. Gertrud Schmidt (Moabit) 6 Erna Reichenheim 7 , Rita Neumann 1941, Gertrud Neumann 7/1942, ab 1942 Ralph Neumann 8 (Versand), Traute Schwersenz (Schöneberg) 9 , Irene Philipsohn (Friedenau) 10 . Die Ini Gedenkort Fontanepromenade 15 wendet sich gegen eine rassistische, sexistische, kapitalistische Gesellschaft, die jegliche Formen von Zwangsarbeit als Mittel von Ausbeutung und Ausgrenzung nutzt.

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